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De-Loused in the Comatorium
De-Loused in the Comatorium
Quelle: amazon

EAN: 0602498602980
Herausgeber: Universal (Universal)

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DE-LOUSED IN THE COMATORIUM

Kunden Meinungen

Ein moderner Klassiker

Datum:01.01.1970 01:00 - Rating: 5/5

Mit The Mars Volta haben wir zwei wichtige Köpfe der zuvor zerbrochenen At the Drive-In, die nun frei von Erwartungen an die Spielart und unter neuem Namen ihrer Kreativität freiem Lauf lassen konnten. Was dabei rauskam, war nicht abzusehen. Und bis Heute haben viele nicht verstanden, was dieser Hybrid aus Punk, Salsa, Metal, Jazz und vielen anderen Genres, darstellen soll.

Es handelt sich um ein Konzeptalbum, dass die wahre Geschichte eines Freundes der Band erzählt. Die Kurzform: Es gibt um Cerpin Taxt, der versucht, sich mit Rattengift umzubringen, was schief geht. Er wacht mit halb-gelähmtem Körper wieder auf. Darauf hin wirft er sich von der Brücke in den laufenden Verkehr, um sich entgültig zu töten. Diese Geschichte wird weder kitschig noch besonders depressiv erzählt, sondern kommt in einem sehr edlen Gewand von ziemlich komplexem und kryptischem Englisch, teils Spanisch daher.

[1] Son et Lumiere:
Ein harmloses, aber atmosphärisch gelungenes Intro, dass einen textlich schonmal auf das sehr komplizierte Englisch der gesamten Lyrics einstimmt, und auch schon einen relativ harmlosen Laut-Leise-Teil drinnen hat. Im gesamtkontext Sinnvoll und unverzichtbar.

[2] Intertiatic ESP:
Und hier kommt der Knall. Das erste tatsächliche Lied schlägt den Ton für das Album perfekt an. Schubladen-Fans können jetzt versuchen, tatsächlich vorhandene Led Zepplin, King Crimson und eben At the Drive-In Attitüden rauszuhören, aber das ist nicht nötig, denn Intertiatic ESP hat bereits einen sehr eigenes Klangbild. Wer es krampfhaft irgendwo einkategorisieren will, nehme die gute alte "*Bekannte Band einsetzen* auf Speed" - Phrase her.

[3] Roulette Dares:
Roulette Dares knüpt stilistisch eigentlich genau an Intertiatic ESP an, wagt sich mit mehr ruhigen Momenten, einem poppigen Refrain und einem unmöglichen Snare-Gedräsche, dass sich irgendwann ernsthaft als Rythmus herausstellt, noch ein bischien weiter, als das vorherige Lied.

[4] Tira Me A Las Arañas:
Ein ähnliches Bindeglied wie Son et Lumiere, nur hat dieses Teil hier viel weniger zu bieten. Hätte man auch lassen können.

[5] Drunkship of Laterns:
Das vielleicht schwierigste Lied auf dem Album. Eine erbarmungslose 7-Minuten Salsa Dröhnung, was für den Durchschnittshörer sowieso schon ungewöhnlich ist. Doch auch der Sänger nimmt hier nun Rücksicht auf gar nichts mehr, und kommt in Höhen, dass Mickey Maus vor Scham im Boden sinkt. Selbst wenn man das alles irgendwie noch akzeptabel findet, machen einem die Breaks zu schaffen, die hier gefühlt alle 20 Sekunden auftauchen. Hat man sich jedoch daran gewöhnt, ein absolutes Highlight.

[6] Eriatarka:
Was als harmlose, süßliche Ballade beginnt, entwickelt sich nach etwa einer Minute zu dem üblichen Schlag ins
Gesicht. Abgesehen von den üblen Attacken des Schlagzeugers ist dieses Lied bisher das einsteigerfreundlichste von De-Loused.

[7] Cicatriz ESP:
"Heeey! Ihr wollt Neo-Prog sein? Ihr habt noch gar kein Pink Floyd durchgenudelt!". Ja, auch du wirst jetzt mit diesem 12-Minuten-Monster bedient, kleiner Timmi. Das sehr vielversprechend beginnend und endende Lied hat leider einen äußerst schmierigen Sphäre-Mittelteil, der der einzige wirkliche Nervfaktor des Albums ist. Sieht man von diesen Minuten ab, hat man hier einen der stärksten Songs des Albums, der Beat ist ein Kracher.

[8] This Apparatus must be Unearthed:
Nochmal ein Intertiatic ESP-mäßiges Lied, dass nicht ganz die Klasse des vermutlichen Vorbildes erreicht. Das Lied überascht nicht wirklich, und rein von der Melodik überzeugen nur die ruhigen Teile. Das uninspirierteste Lied der CD.

[9] Televators:
Nach all dem Gedresche ist Televators die Ballade und somit die Ruheinsel des Albums. Es gibt hier keinerlei Ausbrüche. Die Melancholische Atmosphäre hält sich die komplette Spielzeit lang und wird von keinem Break unterbrochen Der Pop-Song der Platte, aber was für einer. Sehr berührend!

[10] Take the Veil, Cerpin Taxt:
Der Oberkracher des Albums und mein persönliches Lieblingslied folgt zum Schluss. Dieses Lied vereint alles, was man an The Mars Volta schätzen kann. Es geht los mit einer sehr gehetzten Instrumentalisierung, die nach wenigen Sekunden in zwei verschiedene Ohrwurm-Refrains aller, aller erster Güteklasse mündet. Nach drei Minuten offenbart das Lied nochmal eine komplett neue Seite, die mit einem sehr schwer greifbaren Gitarrensolo beginnt, dass dann immer ruhiger wird, und dann in Ambient- und Jazzgefilde abdriftet. Dieser Part wird circa 4 Minuten lang ausgespielt, und zu keinem Zeitpunkt langweilig, da fortgehend Spannung aufgebaut wird. In den letzten zwei Minuten entlädt sich der Song dann nochmal komplett in dem varierten Refrain vom Anfang und geht über in einen der besten Musik-Momente, die ich jemals gehört habe. In einem beim ersten Hören kaum einordbaren Snaregewitter schließt der Sänger das Konzeptalbum mit der Frage des Protagonisten ab: "Who brought me here?"

Zugegeben, für dieses Album brauch man Nerven wie Drahtseile. Beim ersten Hören machen einem sehr viele Dinge zu Schaffen, insbesondere die verworrenen Song-Struktueren und die Stimme des Sängers. Auch bei mir hat es erst nach mehrmaligem Hören gefunkt. Aber seit dem läuft diese Platte in Dauerrotation, und ist noch weit davon entfernt sich abzunutzen. Musikalisch offene Leute sollten diesem zugegebenermaßen oft sehr verkopftem Album eine oder zwei Chancen geben.

genialer Funke, der nicht überspringt

Datum:01.01.1970 01:00 - Rating: 3/5

Wenn es so etwas wie eine objektive Bewertung von Musik gibt, dann ist sie hier gefragt: Objektiv kann man dieses Album nicht schlecht finden. Objektiv wird da große Kunst geboten, spielen da hervorragende Musiker zumindest gut zusammen, ist das alles unglaublich kreativ und trotz unendlich vieler Zitate - oder nennen wir es Inspirationen - eigenständig und neuartig. Objektiv also eine 5-Punkte-Platte.

Schade nur, dass sich Objektivität und Musik ausschließen. Und so gibt es auch hier das berühmte große Aber: So genial der Funke auch sein mag: er springt nicht über! So staune ich, nachdem mir die grandiosen Opener-Traks "Son et Lumiere" und vor allem "Inertiatic esp" noch durch alle Glieder fuhren, noch gute 25 Minuten steif auf meinem Sofa sitzend über dieses eigenartige Kunstwerk, ohne, dass mein Fuß auch nur einmal mitwippen will oder sich mehr als "nur" meine grauen Zellen angesprochen fühlen. Dann aber ist erst Halbzeit und es stellt sich für die verbleibende halbe Stunde tatsächlich ein Gefühl von Langeweile ein.

Fazit: Gute Musik im Sinne von viel Input und sehr guter Kompisitions- und Spieltechnik gibt es hier auf alle Fälle, insofern lohnt sich das Reinhören! Wie viel mehr diese Platte für einen bedeutet, liegt schließlich ganz allein bei den Gefühlen des Hörers. Und dafür gibt es nun mal keine objektiven Kriterien. Gut möglich, dass "De-Loused in the Comatorium" manch einem direkt ins Herz schießt. Mich lässt es furchtbar kalt.

Unglaublich, Kreativ, Krank

Datum:01.01.1970 01:00 - Rating: 5/5

Diese Band kenne ich, indem ich einer Empfehlung gefolgt bin, in der die leichte Warnung schon enthalten war.
Wovor hab ich dann auch gemerkt, als ich diese CD zum ersten Mal gehört habe :) Tatsächlich hab ich's mir nicht leicht
gemacht und ca. 1/2 Jahr gebraucht um mit der Art der Musik soweit klar zu kommen, um 2-4 Titel ohne Unterbrechung
hören zu können - so einfach ist das nicht.

Belohnt wird man mit nicht weniger als der innovativsten und schier einfallsreichsten Musik, die
ich mir zumindest auf dem Rock-Sektor vorstellen kann (ok, evtl. experimental Rock :)).
Das bezieht sich in erster Linie auf die Songstruktur, die eher an ein Konzeptalbum erinnert
und zweitens auf den Einsatz der Instrumente und dessen überragende technische Qualität, die
so gut wie alles und jeden in den Schatten stellt, was ich seinerzeit und auch bis heute gehört habe.

Die Band besteht aus zwei Mitgliedern, "C. Bixler-Zavala" (Gesang) und Omar "A. Rodriguez-Lopez" (Gitarre).
Für weitere Instrumente holen sie "Flea" (Bass) von den 'Red Hot Chili Peppers' an Bord oder den total
unglaublichen Schlagzeuger "Jon Theodore", der hier zumindest bei mir mit seinen Einsätzen für sprachlose Momente sorgt.
Auch nicht zu vergessen, dies ist das Debütalbum der Band.

Was die Struktur angeht, so muss man hier auch mal Geduld haben als Zuhörer.
Es kann vorkommen, dass mitten in einem Track mal 1-2 min nichts passiert oder nur irgendein komisches Knattern zu hören ist.
Meistens geht's genau dann viel heftiger weiter, wenn man grad drücken wollte.

Besonders knackige Tracks sind gleich am Anfang "Inertiatic E.S.P" und "Roulette Dares".
Bei letzterem fällt auch wieder auf, dass die Songs Phasenweise sehr melodisch sind und dann sofort ein totale 180° Wende
machen und nur noch krank wirken - aber man muss sich ein wenig dran gewöhnen, bevor man es wirklich gut finden kann.
Sicherlich klappt das auch bei mir nicht bei jedem Song dieser CD, aber dennoch erkenne ich die konsequente Perfektion.
Denn wer genau hinhört stellt fest, dass dies keine nur-laute Metal Musik ist, wo leise oder feine Töne undenkbar sind.

Sehr eigenwillig aber unglaublich interessant zu hören ist auch "Drunkship of Lanterns", obwohl es mir generell recht
schwer fällt, zu verstehen was der Mann da überhaupt singt :)
Highlight ist immer noch "Eriatarka" - unglaublich heftiges Schlagzeug, mit Refrain und auch tollem Bass.
Zum Luftholen gibt's auch "Televators", wo man ausnahmsweise keinen Herzinfarkt beim Zuhören bekommt :)

Alles in allem der Gipfel der Kreativität in Musik, den ich bisher hören durfte auch wenn gerade DAS nicht so einfach ist.

Eine der genialsten Scheiben aller Zeiten

Datum:01.01.1970 01:00 - Rating: 5/5

Mit "De-Loused..." haben The Mars Volta etwas geschafft, was in dieser Form noch keiner Band zuvor gelungen ist: ein Album, welches an Progressivität kaum zu überbieten ist, aber trotzdem eine Catchyness aufweist, die ihres Gleichen sucht. Jeder einzelne Song frisst sich mit einer unvergleichlichen Treffsicherheit in die Gehörgänge, die athmosphärische Dichte gipfelt durch die dynamischen Arrangements, die schwebenden Harmonien, aber auch die längeren Pausen, die mit brilliantem Sound-Design ausgefüllt werden, in einer elektrisierenden Spannung, die auch bei mehrmaligem Hören nicht abklingen will. Natürlich lassen die Jungs ihre Hörer auch gerne mal gewaltig leiden - so etwa im schier endlosen Synth-Part in "Cicatriz". Allerdings litt man hier - im Gegensatz zu späteren Alben der Band - noch gerne, gar wollüstig, weil solche progressiven Spielereien in "De-Loused..." nie aufgesetzt wirken, sondern sich perfekt in die Erzählstruktur der Rahmenhandlung einfügen und das Zurücksehnen nach der eigentlichen Musik stets mit weiteren leicht eingängigen, aber niemals banalen Melodien und wirklich guten Riffs quittiert wird.
Klar, in den späteren Alben sind die Hispano-Amerikaner meilenweit über das Ziel hinausgeschossen, und oft liefern sie Progressivität nunmehr nicht um der Spannung, sondern um der Progressivitäts willen. Hier aber haben sie noch alles richtig gemacht und eine Platte durchs Unterholz krachen lassen, die jeder, der sich nicht nur von mitreißenden Melodien und treibenden Rhythmen gefangen nehmen, sondern auch seinen musikalischen Horizont mit extravaganten Einfällen fernab des Mainstream erweitern möchte, einmal gehört haben sollte!

Meisterwerk!

Datum:01.01.1970 01:00 - Rating: 5/5

Wie man derart instrumentale Freiheiten, schräge Beats, kranke Melodien und dissonantes Gedudel zu so einem schönen Gesamtwerk zusammenfügen kann ist einfach nur erstaunlich. Sicherlich keine Musik für jedermann. Ein bisschen spinnen muss man schon, um die Jungs zu mögen, und ich verdammt ich liebe sie!

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